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zurück zur Übersicht 03.02.2012 - Die Rheinpfalz

Elf Orte noch im ersten Quartal am Netz

KUSEL: 24 von 57 Gemeinden von Inexio online geschaltet - Geschäftsführer Klein räumt „zu ambitionierte Zeitplanung" ein

Die Firma Inexio hat den Kreis gestern über den Stand der Breitbandverkabelung informiert. Die gute Nachricht: 24 der 57 Gemeinden innerhalb des Projekts sind bereits online geschaltet, elf weitere kommen im ersten Quartal dazu. Die schlechte: Bis die mutmaßlich letzte Gemeinde - Nanzdietschweiler - ans Netz geht, wird's Jahresende.

Der Grund für diese weitere Verzögerung liegt nach Angaben von Thorsten Klein, persönlich haftender Inexio-Geschäftsführer, nicht an seiner Firma. Weil in Nanzdietschweiler Straßenbauarbeiten vor- gesehen sind, habe der Ortsbürgermeister darum gebeten, die Straße nicht zweimal aufzureißen, sondern den für das schnelle Internet notwendigen Tiefbau gleichzeitig mit der Straße zu erledigen. Problem allerdings für die Inexio: Ohne die Infrastruktur in Nanzdietschweiler kann auch das nachgeschaltete Börsborn nicht angeschlossen werden. Inexio will daher darauf drängen, dass zumindest ein Teil der notwendigen Infrastruktur früher gebaut werden kann.

Klein und sein für den Bau zu- ständiger Geschäftsführer-Kollege Jens Schemel sind sich der Verärgerung bewusst, die die immer neuen Verzögerungen in den betroffenen Dörfern ausgelöst haben. Zunächst der harte Winter vor zwei Jahren, dann die Wartezeit auf die finanzielle Förderung durch das Land und nicht zuletzt eine, wie Klein einräumt, „zu ambitionierte Zeitplanung" haben einen Großteil der Geduld aufgezehrt. Doch Schemel sieht sich vor Ort auch mit immer neuen Hürden konfrontiert. Beispielsweise habe Inexio zunächst von einem Konkurrenten die Erlaubnis erhalten, für Richtfunk dessen ungenutzte Einrichtungen auf dem Potzberg einsetzen zu können. Doch als dieser Konkurrent einen sicher geglaubten Anschlussauftrag nahe Heidelberg an Inexio verloren habe, habe er diese Zusage wieder zurückgezogen - mit der Konsequenz, dass Inexio kurzfristig selbst alles bauen musste.

Doch Schemel erzählt auch andere Geschichten - zum Beispiel die vom knüppelharten Kuseler Boden. „Ein Tiefbauunternehmen ist mir davongelaufen, weil die Arbeiten wegen des harten Bodens viel schwieriger waren als gedacht." Ohnedies hätten alle fünf Bauunter- nehmen, mit denen Inexio die Verkabelung betreibt, aus diesem Grund ihre Zeitpläne nicht einhalten können. Oder das Problem mit den Genehmigungen - von Privatleuten wie auch von offiziellen Stellen. Etwa dann, wenn ein privates Grundstück gebraucht wird, um den Richtfunk aufzufangen, weil von dort Sichtverbindung besteht. „Dann sagt der Hausbesitzer ja - und wenn wir ein paar Tage später den Vertrag zuschicken, dann wird der doch nicht unterschrieben, weil beispielsweise der Enkel zu Besuch war und gesagt hat, Funkwellen seien gefährlich." Und schon fange man von vorne an. Hinzu komme, dass der Richtfunk mit einer bestimmten Frequenz nur für einen wenige Meter breiten Korridor genehmigt werde. Sobald die Empfangseinrichtung an einem geringfügig geänderten Standort aufgebaut werden müsse, verfalle die Genehmigung und müsse neu beantragt werden, was sich dann wieder hinziehe.

Klein und Schemel haben Verständnis für den Unmut, den auch Ortsbürgermeister immer wieder an sie herantragen. Aber sie betonen: „Wir haben doch gar kein Interesse daran, die Arbeiten und den Anschluss zu verzögern. Im Gegenteil: Wir verdienen ja auch erst Geld, wenn die Kunden online geschaltet sind. Warum also sollten wir den Anschluss verzögern?"

Gleichwohl räumt Klein eigene Fehler in der Planung ein - zum Teil auch der Unerfahrenheit geschuldet: „Eine solch flächendeckende Verkabelung im ländlichen Raum und das auch noch mit diesem technischen Standard hat vorher noch keiner angepackt." Die Verzögerungen könne er im Nachhinein „nicht mehr heilen". Was ihn aber tröste, das sei die hohe Zufriedenheit der Kunden, wenn denn der Anschluss mal hergestellt sei. „Sobald ein Kunde online ist, gibt's keine Beschwerden mehr." Dass ein Marktforschungsinstitut bei Inexio-Kunden eine Zufriedenheitsrate von mehr als 90 Prozent und eine Weiterempfehlungsquote von über 60 Prozent festgestellt habe, liege nach Aussage der Forscher weit über dem, was bei Internet- Versorgern üblich sei. Dass aber diese perspektivische Zufriedenheit den momentanen Ärger der Betroffenen nicht mindern kann, ist ihm bewusst.

Zur Sache: Ohmbacher von Bauarbeiten überrascht

Dass die Termine für den schnellen Anschluss seiner Ortsgemeinde ans Internet immer wieder verschoben werden, daran hat sich Ohmbachs Ortsbürgermeister Jochen Mayer gewöhnt. Was ihn ärgert: „Inexio ist ein Kommunikationsunternehmen, aber gerade die Kommunikation funktioniert überhaupt nicht."

Ende 2010 sei der ursprüngliche Fertigstellungstermin in Ohmbach gewesen, berichtet Mayer. Den habe Inexio nicht einhalten können. Dann sei der April 2011 angegeben worden, dann das dritte, dann das vierte Quartal - alle Termine verstrichen. Bei Anfragen an Inexio sei er meist an andere interne Stellen verwiesen worden, habe in Warteschleifen der Hotline festgesteckt.

Als Anfang Dezember niemand mehr damit gerechnet habe, dass noch etwas passiert, seien urplötzlich Wege in Ohmbach aufgerissen worden. „Da gibt man der Gemeinde doch vorher Bescheid", befindet Mayer. Bei einer Ortsbegehung im Juni 2011 habe er auch genau darum gebeten. Von Inexio habe er auf seine Beschwerde hin nur die Auskunft erhalten, das sei doch bekannt gewesen. „Stimmt nicht", sagt Mayer. Bei der Begehung im Juni sei noch von einem anderen Termin ausgegangen worden, von Dezember keine Rede gewesen.

„In 14 Tagen" seien alle Löcher im Ort zu, habe man ihm zuletzt gesagt - vor 14 Tagen. Mayer: „Sollten die das in dieser Woche noch hinkriegen, frage ich mich, warum es vorher so lange gedauert hat." Februar - das sei aktuell der zugesagte Termin für den Anschluss. Daran glaubt Mayer nicht.



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